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Stadtgeschichte Villingen

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Stadtgeschichte Villingen

Bevor man an das alemannische Dorf "Filingun" bei der "Altstadtquelle", dem heutigen Friedhof, das sicher bis ins 7. Jahrhundert zurückreicht, denkt, muss man die Geschichte der Landschaft am östlichen Schwarzwaldrand im Auge haben, um späteres verstehen und einordnen zu können. Man muss an die Einwanderer der Zeit der Hügelgräberkultur, etwa 1500 bis 1200 v.Chr., denken, die zum Großteil aus dem Neckarraum in unsere Landschaft kamen.

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Man muss sich dann die Einwanderung derjenigen Vorfahren aus dem ferneren Osten und Südosten vorstellen, die man Kelten nannte und die im 7. und 6. Jahrhundert v. Chr. mit dem Zeugnis des "Fürstengrabes", später Magdalenenberg genannt, einen, in seiner Größenordnung kaum erklärbaren Schwerpunkt in unserer rauhen Landschaft setzen. Damit sind wir in der Baar auf jene Menschen hingewiesen, die unsere Vorfahren sind und deren Kulturzeugnisse eine deutliche Sprache sprechen und an der Bildung der mitteleuropäischen Kultur einen hohen Anteil haben.

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Mit dem Sprung über das alemannische Dorf, das im Jahre 817 in einer Urkunde Kaiser Ludwigs des Frommen genannt wird, haben wir mit deisem fränkischen Kaiser, Sohn des großen Karl, den Beleg, dass die Franken längst auch unser Gebiet beherrschen, d.h. die Alemannen ihre Landeshoheit und Herrschaft eingebüßt haben, was 746 mit dem Blutbad von Cannstatt sein furchtbares Zeugnis besitzt.

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Villingen tritt dann mit dem großen Schlag in die europäische Geschichte des hochmittelalterlichen "Reiches" ein, als im März 999 Kaiser Otto III. dem Ort Markt-, Münz-, Zollrecht und den Gerichtsbann verleiht und damit im Reich hervorhebt. Diese Verleihung von Königsrechten, "Regalien", vor allem die Konstituierung des Marktgerichtes, ist ein Akt, der in der heutigen Forschung als Stadtwerdung angesehen wird, indem die "coniuratio", die Rechtsbündelung, als Ursache und nicht der Beleg für eine Befestigung als Kriterium für den Akt der Stadtgründung angesehen wird.

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Der Marktort muss um das Jahr 1000 seinen individuellen Charakter ausgebildet haben, nicht nur was seinen rechtlichen Status, sondern auch seine übrige Kulturtradition angeht.

Wenn man versucht ist, schon in dieser Zeit an Traditionsbildungen in Form von Brauchtum zu denken, so wird es notwendig sein, die tiefgreifende Wandlung der damaligen Welt zur Weltverneinung im "memento mori" des Chiliasmus (der Weltuntergangsstimmung) der Jahrtausendwende und die cluniazensische Bewegung ins Auge zu fassen.

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Es widerspricht sicher aller bisherigen Erfahrung, für jene Jahrhunderte Brauchtum anzunehmen, da die hochmittelalterliche Welt, ganz anders als das untergehende Römerreich, unmittelbar dachte und handelte und der Realismus eine Unmittelbarkeit aufweist, den wir kaum erfassen können und der auf einer ungeheuer starken religiösen Inbrunst fußt.

Für Villingen ist das hohe Mittelalter die Zeit der Bildung der Stadt im Brigachbogen. Die erste Blütezeit aufgrund der Tuchherstellung und des Tuchhandels fällt ins 12. Jahrhundert.

Erst Ende des 12. Jahrhunderts haben wir die ersten schriftlichen Zeugnisse, die das Archiv bewahrt. Dieselben belegen jedoch nur den Streit zwischen den Klöstern St. Georgen und Tennenbach und die Auseinandersetzung um die Herzogswiese in Roggenbach, dem heutigen Unterkirnach, in die auch der Papst eingreift. Diese Zeugnisse aber sagen nichts über die Villinger Verhältnisse aus, lediglich, dass die Stadt an der Streitschlichtung beteiligt ist, offenbar weil beide Klöster ihre Klosterhöfe in der Stadt haben und sich der Hilfe der Stadt und des Stadtherrn, des Zähringerherzogs, bedienen.

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Besser belegt ist die Stadtgeschichte mit dem Jahr 1218, dem Todesjahr des letzten Zähringers im männlichen Stamm: Damals ist es dem Stauferkaiser Friedrich II., gleichzeitig Deutscher König, daran gelegen, Villingen als Reichsstadt an sich zu ziehen. Dort kam es bezüglich des Geländes zwischen Stadt und Wald, der Allmende, zu Auseinandersetzungen, u.a. mit dem Kloster Salem. Der König schickt seinen Schenken, Konrad von Winterstetten, nicht zuletzt auch wegen des "Mauerbaues", der dreifachen Befestigung um die staufisch nach Süden erweiterte Stadt.

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Waldnutzungsrechte, Allmendsrechte, Mühlenrechte: Das sind Eckpfeiler der Entwicklung der Stadt bis um 1250. Um diese Zeit nimmt sich Heinrich von Urach, der sich ab 1253, als er die Johanniter nach Villingen ruft, "von Fürstenberg" nennt, seiner Stadt, die zwar Reichsstadt bleibt, an.

Er lässt den Münsterchor gotisch bauen, stiftet mit seiner Gemahlin Agnes das Heilig-Geist-Spital, bringt 1268 die Franziskaner nach Villingen, und sein Vetter, kaiser Rudolf von Habsburg, lässt 1282 seine Söhne im Münster zu Rittern schlagen.

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Im Todesjahr dieses Heinrich, im Januar 1284, beginnt mit dem Erstarken der Zünfte jene Zeit, da sie ihre Bedignungen an den Sohn Heinrichs, Graf Egen, stellen. Dieser muss 1291 sogar vom Kaiser gegen die Stadt geschützt werden. Um 1290 gelingt es den Zünften neben den Vertreter des Stadtherrn, Graf Egen und den Schultheißen, der vor allem Vorsitzer des Gerichts ist, den Bürgermeister als direkten Vertreter der Bürger zu stellen. 1293 ist das Amt, 1297 der erste Bürgermeister mit Namen fassbar.

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An dieser Stelle reift die Stadt mit den Zünften zu dem heran, was auf der Tüchtigkeit des Handwerks ruht, nicht zuletzt aufgrund seiner militärischen Wehrhaftigkeit, indem die "Obristzunftmeister" die militärischen Führer sind und sich bereits 1284 in der ersten "Auszugsordnung" ihre Konstitution geben. Jeder Bürger hat ein Pferd und ein "Harnasch" zu haben und ist beteiligt an der Gestellung eines "Gezelt".

Nicht lange hält sich die Stadt bei diesen Machtkonstellationen mit einem schwachen Stadtherrn, und Villingen wendet sich 1326 bei einem Streit um die Landeshoheit in der Baar an das Haus Österreich, das von da an Entwicklung, Schutz und Schirm und kulturelle Freiheit gewährleistet.

Große kulturelle Leistungen sind zu erkennen für die folgenden Jahrzehnte, zum Beispiel in den "Vesperbildern" aus der Zeit um 1340/45, als ein Bildhauer Heinrich de Villingen offenbar unter den Parlern in Prag arbeitete und vermutlich auch in Villingen Werke geschaffen hat. Außer Vorkommnissen, die man mehr oder weniger alltäglich nennen kann, geschieht am Ort bis zu jenem furchtbaren Jahr der Pest, 1349, wenig. Über 300 Menschen, viele Frauen und Kinder, sterben in wenigen Tagen, wie auch in den Städten den Rhein entlang, von Basel ausgehend. Der Rat beschloss, vom Vermögen der ausgestorbenen familien eine "Elendjahrzeitpflege" zu gründen, die das soziale Gefüge der Stadt abrundete.

Das 15. Jahrhundert war auch in Villingen geprägt vom Niedergang der Bürgerfreiheit oder besser der Bürgerinitiative. Die religiösen beziehungsweise theologischen Schwierigkeiten, die im Reformkonzil von Konstanz zutage traten, die Unsicherheit der Reichspolitik unter Kaiser Friedrich III. der 1465 ind er Wiener Hofburg von der Wiener Bürgerschaft belagert wird, die Verschlechterung der Wirtschaft, die Entstehung von Wüstungen, Dorfauflösungen wie in Villingen, Vockenhausen oder Waldhausen, all das hat das Land und auch unsere Stadt bewegt.

Durch die Heirat des jungen Maximilian, König der Vorlande, mit Maria von Burgund kommen neue Impulse auch nach Villingen. Nach dem Schweizerkrieg 1499 tritt trotz Bauernkrieg 1524/25 und Reformation im 16. Jahrhundert eine zweite Blütezeit in Villingen ein, die seit etwa 1475 auch eine geistige Erneuerung mit besonderem Anteil der Klöster, hier der Hochschule der Franziskaner, zur Folge hat.

Niedergang im Dreißigjährigen Krieg mit zahlreichen und oft monatelangen Belagerungen, Unruhe durch da Frankreich Ludwigs XIV., 1704 Belagerung mit großen Zerstörungen, Hilfe durch Prinz Eugen und danach eine kaum nachzuvollziehende Blütezeit besonders des Kultes, aber auch der Künstler und ihrer großen und weit wirkenden Barockwerkstätten: Das sind wichtigste Ereignisse bis zum Niedergang, der 1756 mit dem "Magistratsstreit" beginnt. In diesem Jahr setzt der Versuch des liberalen Staates, die Selbsregierung der Stadt aufzulösen, was dann nach dem Tode Maria Theresias ihrem Sohn, Kaiser Joseph II. gelingt. Erste Opfer dieser Entwicklung sind in Villingen die Frauenklöster der Klarissen und Dominikanerinnen, 1782. Unmittelbar danach ziehen im Gefolge der französischen Revolution Kriegswirren herauf, die wieder gut zweieinhalb Jahrzehnte dauern und 1806 endgültig mit der Einbeziehung in den badisch-großherzoglichen Staat von Napoleons Gnaden zur Auflösung der Selbstregierung der Stadt führen.

Für unsere Fragestellung wären viele Einzelheiten der Entwicklung im 19. Jahrhundert, der Revolution von 1848, wie dem Bau der Eisenbahn, 1873, zu nennen, die Einfluss auf das geistige und kulturelle LEben haben: Entscheidende Anstöße und Impulse sind nicht mehr gegeben worden. Der badische Staat, der es verstand, recht gute Gesetze im Sinne der Ordnung im Lande zu geben, leistete es sich jedoch, auf Kosten der Substanz frühere Errungenschaften, sogar Kunstgüter, abzubauen. Der Bürger also konnte im Ganzen wenig schöpferisch sein, sondern verbrauchte seine Kräfte in der Auseinandersetzung mit einem Staat sehr merkwürdiger nachabsolutistischer Prägung. Kunstgut hat man in die Residenz nach Karlsruhe geführt, Stiftungen wie Heilig-Geist-Stiftung wollte man auflösen, Brauchtum wollte man verbieten, anstatt es zu fördern.